Alte Gründungen: Mülheim, Sichtigvor, Waldhausen

Kirchspiel Mülheim 2010 – Copyright Kreis Soest

Eine schriftliche Erwähnung findet die Ortschaft Mülheim in einer Urkunde des Kölner Erzbischofs Anno II. Im Jahre 1072 gründete er die Benediktiner Abtei Grafschaft, die für mehrere Jahrhunderte der bedeutendste geistige und wirtschaftliche Mittelpunkt des Sauerlandes werden sollte. Erzbischof Anno II. stattete das Kloster, wie bei solchen Stiftungen üblich, reich aus. Die Benediktinermönche erhielten u.a. 12 Pfarreien und Ortschaften und den Naturalzehnten vieler anderer Orte, zu denen auch Mulnheim (Mülheim) gehörte. Die zehntpflichtigen Dörfer werden in einem Nachtrag in der Urkunde genannt, der allerdings von anderer Hand geschrieben wurde.

Der Münsteraner Archivdirektor Johannes Bauermann hat vor einigen Jahrzehnten die Authentizität der Anno Stiftungsurkunde für das Kloster Grafschaft in Zweifel gezogen.[1] Er kommt durch Schrift- und Textvergleiche zu dem Schluss, dass das Schriftstück keinesfalls zum Zeitpunkt der Klostergründung Grafschaft entstanden ist, sondern möglicherweise um 1124/25. Gleichwohl ist er der Meinung, dass der in der Urkunde genannte klösterliche Ausstattungsbesitz bereits zur Zeit von Bischof Sigewin, 1078 bis 1089 Erzbischof von Köln, vorhanden war.

Die eigentliche Gründung Mülheims ist sicherlich weit vor der Stiftung des Klosters Grafschaft anzusiedeln. Der Name Mülheim deutet auf eine Siedlung mit einer Mühle[2] (am Wasser der Möhne) hin.  Das Ortsnamengrundwort „-hem“ oder  „-heim“ gilt als Kennzeichen einer fränkische Siedlung. So dürfte der Name auf die Zeit der Christianisierung durch Karl den Großen um 800 n. Ch. zurückzuführen sein. Der Hof der Herren zu Molenhem (später Kommende), der Liethof und der Isinghof gelten als der Ursprung Mülheims.

Wallburg auf dem Loermund
Halsgraben mit Kreuzbergkapelle
Digitales Geländemodel

Erwähnt werden muss in diesem Zusammenhang die Wallburg auf dem Loermund, die südlich der Möhne auf dem heutigen Kreuzberg gelegen war und deren Erdwälle heute noch gut sichtbar sind. In der Befestigungsanlage suchten die Bewohner in kriegerischen Zeiten Schutz. Es ist anzunehmen, dass die Wälle einen Palisadenzaun trugen. Bei Ausgrabungen auf dem Loermund fand man Keramikscherben („Mayener Ware“ aus der Eifel), die eindeutig dem 9. Jahrhundert zuzuordnen sind. Die Wallanlage bestand aus drei Wällen, die die Burg nach Osten absicherten, an den übrigen Seiten boten natürliche Steilhänge Schutz. Wie bei den meisten Wallburgen wurde auch die Anlage auf dem Loermund in verschiedenen Zeitabschnitten genutzt. Eine mittelalterliche Burg (Fachwerk mit Lehmstakenfüllung), deren Kellerreste noch in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts zu sehen waren, muss in das 12. Jahrhundert datiert werden. Aus dieser Zeit stammen wahrscheinlich die Sporen, Hufeisen und Schnallen, die heute im Heimatmuseum Arnsberg zu sehen sind. Eine längere durchgehende Bewohnung der Bergnase Loermund ist wohl auszuschließen. Leider existiert keine urkundliche Erwähnung der Befestigungsanlage  Loermund. Das lässt vermuten, dass sie bei der Herausbildung der Landesherrschaften im Mittelalter eine untergeordnete Rolle gespielt haben dürfte.

Urkunde von 1266

Der Haupthof der Herren von Mulnheim gelangte zu einer besonderen Bedeutung für die Geschichte des Dorfes Mülheim. Er hat vermutlich dort gestanden, wo sich heute die Klosteranlagen befinden. Um 1260 besaß ein Hermann zu Molnhem diesen Hof. Es wird berichtet, dass er und seine Gemahlin diesen Besitz auf ihren Todesfall den Ordensrittern gestiftet haben. So entstand schon im Jahr 1266 in Mülheim  eine Niederlassung des Deutschen Ordens. Graf Gottfried von Arnsberg überließ dem Orden das Obereigentum an dem Landgut in Mülheim propietatem curtis in Mulenhem[3] für 26 Mark  (= 26 Pfund Silber) und der Überlassung des Obereigentums an einem Hof in Anröchte, der Afterlehnsherr Theoderich zu Volmestein (bei Soest gelegen)  verzichtete auf seine Anrechte zu Gunsten des Ordens.
Am 20. April des Jahres 1266 konnten schließlich Bruder Bernhard und Bruder Diderich von Vilarich den Hof für ihre Ordensgemeinschaft übernehmen. Von da an war die Geschichte der Menschen unserer näheren Heimat eng verbunden mit der Geschichte, dem Auf und Ab, des Deutschen Ritterordens.
Um diese Zeit bestand schon eine Pfarrei in Mülheim. In ecclesia Mulenhem heißt es in einer Urkunde, die auf die Zeit zwischen 1219 und 1224 zu datieren ist.[4]
Nach der Ankunft der Ordensritter übernahmen Ordenspriester die Aufgaben eines Pfarrers. 1275 erlangte der Deutsche Orden auch das Patronatsrecht, ius patronatus ecclesie Mulenhem, über die Pfarrkirche St. Margaretha. [5]
Mit dem Erwerb des Patronatsrechtes wuchs der anfänglich bescheidene Grundbesitz der Ordensniederlassung, der sogenannten Kommende, beträchtlich. Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte kamen die Besitzerweiterungen durch Kauf, weniger durch Schenkungen, zustande.
Der Deutsche Ritterorden hatte sich nach den Kreuzzügen ins Heilige Land und nach einer kurzen Niederlassung im Burzenland (Ungarn) der Christianisierung der heidnischen Pruzzen (Preußen) und Liven zugewandt. Der Herzog Konrad von Masowien, das Herzogtum Masowien ist im nördlichen Teil des späteren Königreichs Polen gelegen, beklagte die Einfälle der Pruzzen in sein Herrschaftsgebiet.
Die Gemeinschaft der Brüder vom Deutschen Haus Sankt Marien in Jerusalem widmete sich am Ende des 12. Jahrhunderts  ausschließlich der Pflege kranker Ritter. Diese caritative Grundausrichtung  ging dem Deutschen Orden immer mehr verloren, insbesondere als er den Kampf gegen die Ungläubigen im Baltikum aufnahm. Der mittelalterliche Gedanke der Streitmacht Christi setzte sich durch. Der heilige Georg galt als Schutzpatron des Ordens, er verkörperte den wehrhaften Ritter im Kampf gegen die Ungläubigen.

Wolter von Plettenberg, 1450 - 1535
Kapelle von 1625 in Waldhausen
Das Kirchspiel Mülheim

Neben anderen Kommenden der Ballei Westfalen war es die Kommende Mülheim, die den Kreuzzugsgedanken des Ordens im Osten durch Stellung von Rittern und Geldmitteln unterstützte. Bis ins 16. Jahrhundert blieben die Beziehungen zwischen der Kommende Mülheim und den Ordensniederlassungen im Baltikum erhalten. Ordensmeister Wolter von Plettenberg, der seine Kinderjahre auf der Burg Meyerich bei Welver verbrachte, gehörte zu den herausragenden Ordenspersönlichkeiten im Baltikum. Es ist sein Verdienst, eine Rechtsordnung nach deutschem Vorbild in Livland eingeführt zu haben. Er starb auf der Burg Wenden (heute Cesis in Lettland) im Jahr 1535 in einem Alter von 85 Jahren.

Viele nachgeborene Söhne aus fast allen westfälischen Adelshäusern ließen sich in der Nachfolge des sich herausbildenden Ordensstaates am Ende des Mittelalters in Kurland und Livland nieder. Man sprach vom „überseeischen Westfalen“.

Im Jahre 1554 nahm der Landkomtur der Ordensprovinz Westfalen seinen Sitz in Mülheim. Die Georgskommende Münster und die Kommende Mülheim bildeten fortan eine organisatorische Einheit.

Unter den Vorstehern der Kommende Mülheim, den Komturen, gab es herausragende Persönlichkeiten, deren Wirken bis in die heutige Zeit bedeutsam geblieben ist. Rabanus Dietrich Overlacker ließ die Kommende mit einem steinernen Mauerring versehen und in Waldhausen 1625 eine Kapelle zu Ehren der heiligen Barbara und des heiligen Antonius  errichten. Waldhausen gehörte seit den Anfängen einer Kirche in Mülheim mit zu ihrem Sprengel (Pfarrbezirk) wie auch die Bauerschaft Echelnpöten und die Sennhöfe. Das Dorf Waldhausen wird zusammen mit dem Flurnamen Taubeneiche  1280 im Urkundenbuch des Klosters Oelinghausen (bei Herdringen gelegen) erwähnt: Walthusen prope duuenhec[6]  Während der Name Waldhausen mit „bei den Häusern am Wald“ erklärt wird, findet  sich im Bestimmungswort duve = Taube und dem Grundwort hec = Hecke, Heckentor die Deutung Taubeneiche, wobei die Silbe ek leicht mit dem Wort für Eiche verwechselt und verhochdeutscht werden konnte.[7] Eine Besiedlung der Flur Duuenhec fand erst nach 1830 statt.

Ebenso zum Kirchspiel  (im Grundwort –spiel verbirgt sich –sprengel )  Mülheim gehört seit je her die Bauerschaft Echelnpöten. Das Schatzungsregister von 1536 nennt Evert Wichelman zu Echelpotten  und Johan von Pommarn zu Echelnpotten[8]

Der ursprüngliche Flurname ist mit dem Grundwort „Teich“ pütte, pute, pot = Pfütze, Sumpf, Pfuhl, feuchte Grube gebildet, das Bestimmungswort entweder mit egel = Egel, Blutegel oder eikel = Eichel. Angesichts des Grundwortes Teich ist die Annahme eines Bestimmungswortes egel = Blut-Egel vielleicht wahrscheinlicher.[9] Vermutlich ist die geschichtliche Entwicklung Waldhausens nicht linear verlaufen. Große Notzeiten brachten auch für Waldhausen manches Leid mit sich. Der Flurname Hausstedde, etwa 1,5 km nordöstlich vom Dorfmittelpunkt gelegen, kennzeichnet einen aufgegebenen Siedlungsplatz. Waldhausen ist wahrscheinlich nicht lückenlos besiedelt gewesen und verdankt seine Existenz der mehrfachen Neuansiedlung durch die Deutschordensritter.
Der Ort Armenholthausen dagegen fiel am Ende des Mittelalters wüst. Das Walburgisstift zu Meschede besaß das Obereigentum von 2 Kotten in Armenholthausen.

Die  Kommende Mülheim erwarb dort im 15. Jahrhundert mehrere Höfe. Das Stift Geseke hatte Anspruch auf den gesamten Zehnten in Armenholthausen, den es später an die Kommende abtrat. Um 1295 wird Armenholthausen erstmalig aktenkundig curtem in Armenholthusen, 1574 hört man zuletzt von dieser Bauerschaft. Das Benennungsmotiv für arm ist nicht sicher feststellbar. Da die Siedlung aufgegeben wurde, dürften schlechte wirtschaftliche Verhältnisse anzunehmen sein.[10] Die Lage der Wüstung lässt sich zwischen Belecke und Waldhausen am Hartweg vermuten.

Augustin Oswald von Lichtenstein-Karneid
Wilhelm von Plettenberg, Bauherr der Kirche
F.-W. von Fürstenberg, Bauherr des Ordensschlosses

Von besonderer Bedeutsamkeit für das Kirchspiel war das Jahr 1656. Der Hochmeister des Deutschen Ordens in Mergentheim hatte den Landkomtur Ernst Schilder wegen Unregelmäßigkeiten des Amtes enthoben und an seine Stelle in Mülheim Augustin Oswald von Lichtenstein-Karneid eingesetzt. Der neue Landkomtur ordnete die wirtschaftlichen Verhältnisse in Mülheim neu. Für die Hintersassen der Kommende schuf er auf freyem Ordensgrund am Ziegelplatz 6 Wohnplätze.

In einem Notarsinstrument des Kommende Schreibers B.W. Souling werden die ersten Siedler des Ortes Sichtigvor genannt. Es sind: Johan Stainken, Mathias Schellewalth, Schneider Neveling, genannt Elperding, Stephan Paemken, Dietrich im Nesselwinkel und Christoph Schmit.

Diese Besiedlung erfolgte „an der untersten Stelle der heutigen Ortslage“ bei einem Fahrweg zum Wald, der die siegde Four oder sichtre Führ geheißen haben soll (Schoppmeier/Süggeler, Sichtigvor S. 92f.). Mithin lag die Motivierung für den Ortsnamen offensichtlich in der alten Wegführung für die Holzabfuhr, die sich an seichter, niedriger Ortslage befand (Schoppmeier/Süggeler, Sichtigvor S. 93). GW des Namens ist dann -vōr zu mnd. vōr(e) Fuhre; Zufahrt, Durchfahrt, BW ist mnd. sichte, sech Niederung. Anderer Deutungsversuche des Ortsnamens im Sinne eines Satznamens (wie nu sih tich vor!; Schoppmeier/Süggeler, Sichtigvor S. 93; Kraft, Allagen S. 22), einer morastigen Wasserrinne (Jellinghaus, Ortsnamen S. 69) oder einer seichten Furt (Kraft, Allagen S. 22) halten einer sprachlichen Analyse aus dem einen oder anderen Grund (GW oder BW falsch verstanden) nicht stand.[11]

Die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert war die letzte Blütezeit des Deutschen Ordens in Mülheim. Der Landkomtur Franz Wilhelm von Fürstenberg[12] ließ durch den Kapuzinerbruder Ambrosius von Oelde um 1682 ein neues Haupthaus für die Kommende errichten, so wie wir es in seiner beeindruckenden Architektur des westfälischen Frühbarock noch heute kennen. Sein Nachfolger im Amt des Landkomturs Wilhelm von Plettenberg begann 1704 mit dem Bau einer neuen Ordenskirche.[13] Als Architekt dieser Saalkirche im gotisierenden Barock gilt auch der Baumeister Ambrosius von Oelde.[14]

 

St. Margaretha und Kloster Mülheim (Blossey 2008 © Kreis Soest)

Zum Ende des 18. Jahrhunderts war die Landkommende Mülheim, wie viele andere Kommenden auch, zu einer Versorgungseinrichtung für nachgeborene Söhne des niederen Adels herabgesunken. Als Napoleon 1809 im Zuge der Säkularisation den Deutschorden aufhob, hatte der letzte Komtur von Mülheim, Franz Wenzel von Kaunitz-Rietberg, dort schon gar nicht mehr residiert. Der Deutschordenspriester Johan Joseph Gerard Leers verwaltete die Landkommende Mülheim. Er musste den Besitz an den Kommissar einer hessisch-darmstädtischen Regierung übergeben. Das ehemalige Kommendegut fiel im Jahr 1815 nach dem Wiener Kongress an den preußischen Staat. Es  wechselte  im Verlauf des 19. Jahrhunderts mehrfach seinen Besitzer.

Das Klostergebäude gelangte später durch eine Stiftung zunächst an die Ordensgemeinschaft der Salesianerinnen und danach an die Olper Franziskanerinnen, während das Landgut an private Besitzer überging. Die Salesianerinnen richteten in Mülheim ein Pensionat für Töchter höherer Stände ein. Im Kulturkampf mussten sie diese Schule aufgeben und sich in den Niederlanden ein neues Betätigungsfeld suchen. Lange unterhielten die Olper Franziskanerinnen in Mülheim eine Haushaltungsschule. In der Zeit nach dem 2. Weltkrieg nahmen sie „Erholungskinder“ auf.  Bis zum Jahr 1994 betreuten sie im Internat „Maria Hilf“ spätausgesiedelte deutschstämmige Kinder aus fast allen osteuropäischen Ländern.

1996 übernahm die Gemeinschaft der Seligpreisungen das Klostergebäude. Diese Gemeinschaft, sie nennt sich auch „Katholischer Verein zur Vertiefung des christlichen Lebens e.V.“, bemühte sich nach inneren Reformen um eine Anerkennung als eine katholische Ordensgemeinschaft. Im Jahr 2007 zählte sie in Mülheim nur noch etwa zehn Mitglieder. Unter der Leitung von Pater Johannes Maria Poblotzki trennte man sich im gleichen Jahr vom Klostergebäude und fand eine neue Unterkunft in Bad Driburg. Seit dieser Zeit steht das Gebäude leer. Besitzer ist Joachim Ney aus Wadersloh-Liesborn.

Die Museumskettenschmiede

Im 19. Jahrhundert war es für manche Familienväter außerordentlich schwer, das tägliche Brot zu verdienen. Es gab im Kirchspiel nur wenige Erwerbsquellen. Eine allmähliche Besserung trat ein, als um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Industrie Einzug in die vornehmlich landwirtschaftlich geprägten Ortschaften hielt. Das fabrikmäßige Kettenschmieden setzte sich auch nach einem anfänglichen Rückschlag nach und nach durch. Es entstanden außerdem kleine Heimschmieden. Man fertigte in Lohnarbeit leichte Ketten. Um 1910 arbeiteten in Sichtigvor, Mülheim. Taubeneiche und Waldhausen über 200 Kettenschmiede in ihren kleinen Werkstätten.[15]

Der alte Bahnhof Sichtigvor 1935
Die ehemalige Bahntrasse mit Museumswaggons

Die Erschließung des Kirchspiels durch Verkehrswege war eine unabdingbare Voraussetzung für industrielle Ansiedlungen im Möhnetal. Der Bau der „Cobelenz – Mindener Chausee“, die heutige Bundesstraße 55, war bereits 1827 abgeschlossen, die Möhnestraße folgte in der Zeit von 1849 bis 1853. Vorher gab es keinen durchgehenden Weg durchs Möhnetal. Schließlich erfolgte die Trassierung der sogenannten Sekundärbahn von Soest nach Brilon. Am 1.12.1899 fuhr das erste planmäßige Zugpaar durchs Möhnetal. Das Kirchspiel Mülheim hatte endgültig den Anschluss an überregionale Wirtschaftsräume gefunden.
Die Bergnase Loermund hat durch die Jahrhunderte immer wieder eine Faszination auf die Bewohner des Möhnetals ausgeübt. In der Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte man diese markante Erhebung neu. 1845 errichteten junge Leute hier einen Kreuzweg. 1865 ersetzte man die Holzkreuze durch Stationen aus Rüthener Sandstein mit gußeisernen Bildtafeln. 1890 wurde die Kreuzbergkapelle errichtet.[16] Der Aachener Architekt Prof. L. Schupmann entwarf ein Werk im Stil der Neogotik.  In der Zeit der Romantik  besann man sich auf die Vorbilder großer Bauepochen früherer Jahrhunderte. Gerade die katholische Kirche bevorzugte in dieser Zeit wieder gotische Stilelemente.

Die Kreuzbergkapelle
Die St. Barbara u. Antonius Kirche
Die Markuskirche

 

Die evangelische Markuskirche an der Möhnestraße in Sichtigvor wurde 1896 auf Iniative des Industriellen Georg Dassel, der in Allagen ein Marmorwerk betrieb, errichtet. Das Grundstück erwarb man  von der Verwaltung der Gräfin von Kielmannsegge auf Haus Cappenberg. Wie bei der Kreuzbergkapelle führte man das Bauwerk im Stil der Neogotik aus.

1923 errichteten die Waldhausener eine neue Kirche.[17] Das war nur durch eine große Opferfreudigkeit der Einwohner  möglich. Die Kapelle von 1625 musste dafür weichen. Seit 1941 ist die Filialgemeinde  Waldhausen selbständige Pfarrvikarie mit eigener Vermögensverwaltung.

 

 

[1] Vgl. Johannes Bauermann, Die Grafschafter Stiftungsurkunden. In: Grafschaft. Beiträge zur Geschichte von Kloster und Dorf. Hg. Von Josef Wiegel. 2. Erweiterte Auflage, Grafschaft-Schanze 1997

[2] Michael Flöer und Claudia Maria Korsmeier: Die Ortsnamen des Kreises Soest, Seite 330, Bielefeld 2009

[3] Urkundenbuch des Deutschen Ordens, Nr. 185

[4] WUB VII, Nr. 1528

[5] Urkundenbuch des Deutschen Ordens, Nr. 231

[6] Urkundenbuch Oelinghausen Nr. 25

[7] Vgl.: Michael Flöer und Claudia Maria Korsmeier: Die Ortsnamen des Kreises Soest, Seite 431, Bielefeld 2009

[8] Schatzungsregister HW1, Seite 109

[9] Vgl.: Michael Flöer und Claudia Maria Korsmeier: Die Ortsnamen des Kreises Soest, Seite 622, Bielefeld 2009

[10] Vgl.: a.a. O. Seiten 35 und 36

[11] Vgl.: Michael Flöer und Claudia Maria Korsmeier: Die Ortsnamen des Kreises Soest, Seite 622, Bielefeld 2009

[12] Vgl.: Arbeitskreis Sichtigvor 2006: Sichtigvorer Geschichten, S.24 ff., Sichtigvor 2006

[13] Vgl.: Kirchengemeine St. Margaretha: St. Margaretha 1707 – 2007, Sichtigvor 2007

[14] Vgl.: Eva-Maria Höper: Ambrosius von Oelde, ein Kapuzinerarchitekt des Frühbarock im Dienste der westfälischen Fürstbischöfe, Dülmen 1990

[15] Vgl.: Arbeitskreis f. Heimatpflege im Kirchspiel Mülheim: W. Hecker, Durch Ketten zum täglich Brot, Sichtigvor 2011

[16] Vgl.: Pfarrgemeinde St. Margaretha: 100 Jahre Kreuzbergkapelle auf dem Loermund (Sichtigvor), 1990

[17] Vgl. Kirchengemeine St. Barbara und St. Antonius Waldhausen: Helmut Fröhlich: St. Barbara und St. Antonius Kirche Waldhausen 1924 – 1999, Waldhausen 1999